CHALLENGE8 – Unique outdoor adventures off the beaten track

INTERVIEW

Jürgen Landmann

Outdoor-Enthusiast, Everest-Besteiger, regelmäßiger Expeditionsgänger - Jürgen Landmann von abenteuer-outdoor.eu

Einmal im Jahr begibt sich Jürgen Landmann auf eine Hochgebirgs-Expedition. Wenn er losgeht, wissen seine Freunde & Bekannte eigentlich schon, dass wieder einmal etwas Außergewöhnliches ansteht. Etwas, das ihn herausfordert und seine eigenen Grenzen überschreiten lässt. Dann ist Jürgen in seinem Element, in seinem eigenen Outdoor-Abenteuer. Auf diese Weise hat er schon so einige extrem schöne und einzigartige Plätze dieser Erde gesehen, u.a stand er auf dem höchsten Berg der Welt: dem Mount Everest. Aber egal, ob auf dem Mountainbike, auf den eigenen Beinen oder mit Händen und Füßen, Jürgen nutzt jede Minute, die sich im Alltag ergibt, um raus in die Natur zum Mountainbiken, Klettern oder Bergsteigen, zu gehen. Auf seinem Blog abenteuer-outdoor.eu nimmt uns der ambitionierte Abenteurer mit in seine Welt des Outdoor-Abenteuers.

Wir haben mit Jürgen gesprochen und nachgefragt, was einen dazu veranlasst, sich immer wieder dem Risiko auszusetzen und beispielsweise den Everest von der schwierigeren Nordseite zu bestiegen.

Jürgen, stell dich vor: Wer bist du und was machst du?

Mein Name ist Jürgen Landmann, ich bin Familienvater, momentan noch 50 Jahre alt. Mein täglich Brot verdiene ich mit der Klempnerei, aber mein Herz hängt am Outdoor-Sport. Ich gehe viel Klettern, Mountainbiken, richtig Bergsteigen. Alles, was eben wirklich Spaß macht.

Jürgen-Landmann-Elbrus-Gipfel
Jürgen Landmann auf dem Elbrus Gipfel

Was heißt diesbezüglich viel?

So oft es eben meine Zeit hergibt, gehe ich alleine oder mit Freunden hier im Umkreis (Ost-Thüringen) klettern. Das ist das, was ich eigentlich jeden Tag machen kann. Wenn wir günstige Witterungsbedingungen haben, können wir auch hier vor Ort im Winter gelegentlich eisklettern oder aber ich fahre an einem verlängerten Wochenenden in die Alpen.

Beschreib dich in drei Worten?

In nur drei Wörter ist natürlich schwierig – viele Freunde und Bekannte sagen über mich, speziell nach meinen letzten Expeditionen (u.a. Besteigung Carstensz Pyramide, Ojos de Salado, Mount Everest): “Normal geht nicht.” Ich mach generell alles, was interessant erscheint und probiere einfach aus. Ich bin neugierig, offen für Neues, das trifft’s eigentlich am Ehesten.

Du betreibst den Blog Abenteuer-outdoor.eu. Was ist das? Wie kam es dazu? Und warum machst du es eigentlich?

Was ist Abenteuer-outdoor? Das ist so der zusammengefasste Name für all das, was ich gerne tue, für meine ganzen Outdoor-Aktivitäten. Wie es dazu gekommen ist, ist eine ganz simple Sache. Eine Kollegin meiner Frau hat gefragt, ob es denn nichts gibt, wo man über meine Expeditionen und Erfahrungen lesen könnte. Dann haben wir uns zusammengesetzt, haben Website entworfen und der Rest inkl. Blog ist dann einfach angewachsen über die Jahre.

Was treibt dich dazu an? Hast du eine regelmäßige Leserschaft oder Follower-schafft? Oder ist das auch so ein bisschen für dich selbst, dass du das Erlebte verarbeitest?

Ich lese viel auch andere Blogs, um mich auf meine zukünftigen Touren vorzubereiten. Und so möchte ich eben meine Erfahrungen auch mit anderen Teilen. Die können sich dann auch darüber informieren, darüber lesen. Gleichzeitig ist es auch um mich so ein bisschen zu präsentieren und potenziellen Sponsoren eine Plattform zu geben. Das geht natürlich alles zusammen einher.

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Wer gehört dann zu deiner Followerschaft?

Das ist verschieden. Natürlich persönliche Freunde von mir, die dann in Echtzeit immer mitfiebern. Es sind mittlerweile viele Kunden dabei, die immer wieder nachfragen, wo es denn als nächstes hingeht oder wie es zuletzt war? Und dann gibt es auch eine ganze Menge Leute, die eben nach Infos für die eigene Tour suchen und dann regelmäßig darauf zugreifen.

Wie bist du denn generell zum Outdoor-, Berg-, Abenteuer-Sport gekommen? Gab es da ein einschneidendes Erlebnis?

Wir sind als Kinder mit den Eltern im Urlaub viel wandern gegangen, aber unsere Möglichkeiten waren natürlich beschränkt. Wir waren dann im Thüringer Wald, im Elbsandsteingebirge, oder in der Hohen Tatra. Das war so die Initialzündung, die mir in die Wiege gelegt wurde. Und dann war mein Bruderherz irgendwann in Afrika und hat mir vom Kilimandscharo erzählt, und da war dieser Gedanke geboren – “Da könnten wir doch mal gemeinsam hochgehen”. Am Ende hat er einen Rückzieher gemacht und ich bin allein runtergefahren und habe den Kili bestiegen. Das war dann irgendwann kurz nach der Wende, ist also schon ein paar Jahre her. Und das war für mich eigentlich der Einstieg ins Höhen-Bergsteigen. Von da an ging es eben jahrelang auf verschiedene Vulkane, weil ich die einfach immer optisch sehr schön finde. Und naja, dann hat es sich halt entwickelt, dass es immer höher und höher hinausging.

Auf welchen Vulkanen warst du bereits?

Auf dem Ararat, Damavand, dem Elbrus. Der Damavand und Ararat, das sind halt schon zwei Musterbeispiele, die stehen ganz allein und mit der Schneekuppel darauf, das ist schon echt toll.

In Südamerika oder Mexiko warst du noch nicht?

Doch, doch. In Südamerika hab ich den Ojos de Salado bestiegen, ist ja der höchste Vulkan der Erde. Den habe ich mal vor zwei, drei Jahren solo gemacht. Ist jetzt nicht die große Herausforderung bis auf das bisschen Kletterei ganz oben, da muss man halt frei klettern können. Das war auch eine sehr schöne Tour. Schwer – weil ich sehr weit unten gestartet bin und ganz allein war, da darf dann nichts schiefgehen – aber wunderschön.

Juergen-Landmann-Abenteuer-Outdoor
Juergen auf dem Ojos del Salado

Was bringt dich immer wieder dazu, loszugehen? Was suchst du da genau in dem Outdoor-Erlebnis?

Es ist vielleicht wie eine kleine Sucht immer wieder. Du kommst nach Hause bist ganz kurz bei der Familie und dann sind die Gedanken schon bei der nächsten Tour. Meine Frau erfährt traditionell immer als allererste wo es als nächstes hingeht. Meistens schon, wenn sie mich vom Flughafen abholt, da sind meistens schon die Weichen gestellt. Sie hat mir mal mit einem Schmunzeln gesagt “Ich leide an Himalaria”. Ich habe mich irgendwann mal infiziert und muss einfach immer wieder los.

Was waren denn für dich die besten Touren, die du bisher gemacht hast und warum?

“Die Besten” – Das mag ich eigentlich überhaupt nicht. Ich fände es ungerecht, den Anderen gegenüber. Die letzte ist vielleicht immer die Präsenteste. Da hast du noch die frischesten Erinnerungen daran. Jede Expedition hat seine eigenen Schönheiten und speziellen Erlebnisse gehabt. Jede Tour bisher war unterschiedlich schwer und hatte ihren eigenen Reiz. Wenn ich jetzt sage, der Everest war das Highlight, dann ist es eben, weil es der Höchste war. Aber es war nicht unbedingt das Schwerste, das Anspruchsvollste, das ich gemacht habe, da gab es eine Menge anderer.

Mount-Everest-Besteigung-Gipfel

Wonach schaust du, wenn du eine Tour auswählst? Was sind deine Kriterien?

Ein gewisser Anspruch sollte schon auf alle Fälle da sein. Deshalb habe ich mir auf dem Everest auch die Nordseite ausgesucht. Klar hatten auch andere Faktoren reingespielt, aber einer davon war, dass die Nordseite einfach den höheren Anspruch hat durch die Klettereien oberhalb der 8000 Meter, dass die Seite kälter ist, und keine Hubschrauber fliegen. Ein gewisser Anspruch sollte also schon da sein. Dann sollte es mir auch optisch gefallen. Ich suche mir in den Alpen manchmal Berge, von denen ich einfach nur einmal ein Foto vom schönen Gipfelgrat gesehen habe. Das reizt mich dann.

Mount-Everest-Besteigung-Gipfelgrat
Mount-Everest-Besteigung-Gipfelaufbau

Was gehört dann für dich zu einer gelungenen Tour dazu? Eher das Gruppengefühl, das gemeinsam geschafft zu haben, der Gipfelmoment, oder ist es einfach die gesamte Zeit, die du unterwegs bist?

Ich mag eigentlich beides, sowohl in der Gruppe gemeinsam unterwegs zu sein, als auch alleine auf Solo-Touren zu gehen und die Einsamkeit lieben und schätzen zu lernen. Wenn ich an die letzten Jahre so denke, gehört zu einer gelungenen Tour auch einfach dazu, überlebt zu haben. Mittlerweile sind auf den Touren schon so viele Sachen vorgefallen, die einfach nicht planbar waren. Da gehört es natürlich immer mit ganz oben dazu, dass man gesund nach Hause kommt.

Was ist denn so vorgefallen? Hast du ein Beispiel parat?

Wenn ich jetzt an die letzte, die aktuelle Tour denke (Carstensz Pyramide Besteigung) – da sind wir ungeplant und ungewollt in ein Kriegsgebiet gekommen. Dort unten herrscht wieder mal Bürgerkrieg. Das haben wir in dem Ausmaß nicht erwartet und es war einfach für uns sehr negativ überraschend. Das sind dann Sachen, da musst du mit klar kommen, umplanen, viel Zeit darüber hinaus zur Verfügung haben und weitermachen.

Was sagt deine Frau dazu, dass du immer wieder so lange unterwegs bist? Auch mit dem Wissen, dass es gegebenenfalls sein könnte, dass du doch irgendwann mal nicht mehr zurück kommst.

Wir haben da beide die Einstellung, dass es jeden Tag auch zu Hause gefährlich ist und wenn wir uns morgens verabschieden, um zur die Arbeit zu gehen, wissen wir auch nicht, ob der Andere abends nach Hause kommt. Und genauso sehen wir es bei der Tour – Wenn ich unterwegs bin, mache ich nichts, was ich nicht verantworten kann. Und wenn halt irgendwann meine Zeit um sein sollte, dann ist es egal, wo ich gerade bin.

Kommt deine Frau auch manchmal mit?

Auf die großen Expeditionen nicht. Wir machen schon gelegentlich Touren in den Alpen zusammen, waren bspw. auf der Wildspitze. Wir fahren zusammen auch viel in den Nahen Osten. Das ist unser gemeinsames Zielgebiet und jetzt auch nicht so das klassische Touristen-Reisegebiet.

Ararat-Besteigung

Definitiv nicht. Welche Tour oder Touren stehen denn als Nächstes an?

Die nächste große Tour wird Ende kommenden Jahres, Dezember 2020, die Antarktis sein, mit der Besteigung des Vinson. Zum zweiten Mal, und hoffentlich  kommen wir diesmal bis ganz nach oben.

Was ist letztes Mal schief gelaufen, dass ihr es nicht bis zum Gipfel geschafft habt?

Eine Berg-Freundin hat sich beim Aufstieg die Nase schwerst erfroren. Wir waren nicht einmal 150 Meter unter dem Gipfel und es hätte uns vielleicht noch eine Stunde bis nach ganz oben gekostet. Aber sie hatte das Organ so schwer erfroren, dass es hätte mit Sicherheit amputiert werden müssen, wenn wir nicht umgekehrt wären. Da haben wir entschieden umzukehren, da definitiv die Gesundheit des Menschen vorgeht. Da kehrt jeder für jeden um. Und auf dem Vinson kannst du sowieso nur, oder darfst du nur in Seilschaft gehen und so haben wir dann die Karola runter geschafft, ohne dass wir darüber groß Diskutieren mussten.

“Da haben wir entschieden umzukehren, da definitiv die Gesundheit des Menschen vorgeht. Da kehrt jeder für jeden um.”

Hätte man, und wenn ja, wie hätte man das verhindern können? Lag es an der Ausrüstung? Oder waren es einfach die Umstände vor Ort, die nicht gepasst haben?

Mount-Vinson-Besteigung

Es war das Wetter, was vielleicht ein paar Grad kälter war und der Sturm, der etwas stärker war, als dass man es bevorzugt hätte. Dann kommt dazu, dass sie einen Schutz über die Nase drüber hatte. Wenn du dann ausatmest, läuft gerne die Brille an. Was machst du dann, du ziehst den Schutz nach unten, um frei atmen zu können. Das hat sie ein paar Mal zu oft gemacht und da war die Nase eben nicht geschützt.

Du bist ja doch sehr professionell unterwegs auf Touren, die extrem viel Erfahrung brauchen und auch die Fähigkeiten dazu. Was würdest du einem Einsteiger in den ganzen Berg-, Outdoor-Sport mit auf den Weg geben?

Sie sollten es langsam angehen, nicht gleich übertreiben und die großen, schweren Sachen machen müssen. Am Anfang einen Berg-Führer nehmen oder mit einem extrem erfahrenen Freund losziehen, da kann man viel, viel lernen. Und dann nach und nach steigern.

Hast du eigentlich das komplett dir alleine beigebracht? Oder hattest du dann auch ab und zu mal Kurse und geführte Touren?

Kurse habe ich nie belegt und habe auch nur dort einen Führer, wo einer vorgeschrieben war. Den Ararat zum Beispiel, darfst du nur mit einem Einheimischen Guide besteigen. Das habe ich natürlich respektiert. Aber alles, was Alpen-Touren sind. Da habe ich zwei, drei Freunde, mit denen ich gemeinsam losgegangen bin. Der Eine war schon vor mir im Klettersport groß tätig. Von dem habe ich vielleicht das Meiste gelernt. Und dann ist es mehr oder weniger learning by doing.

Wo kann man mehr über dich herausfinden?

Mehr über ich rausfinden kann man natürlich auf meine Internetseite abenteuer-outdoor.eu, mit Tourberichten und dem Blog. Ansonsten vielleicht bei einer gemeinsamen Tour, da kann man sich gern anschließen.

Was denkst du über den Weltrekord von Nirmal Purja? Das ist der Nepali, der die 14 Achttausender in weniger als sieben Monaten bestiegen hat.

Das ist schon eine riesen Leistung. Aber, Rekorde sind immer mit Vorsicht zu genießen. Rekordversuch zu wagen, heißt für mich immer, dass man ein zum Teil deutlich höheres Risiko eingeht. Da muss man dann schon ganz, ganz genau wissen, was man tut und was man bereit ist, zu riskieren.

Lieber Jürgen, tausend Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und dass du hier deine Erfahrung mit uns teilst. Ich finde, es sind einige wichtige Learnings dabei, die, vor allem von Anfängern, definitiv beachtet werden sollten. – Wir sind gespannt auf deine nächsten Expeditionen und werden dich weiterhin gespannt verfolgen. Mehr Infos findet ihr auf abenteuer-outdoor.eu.

Falls auch du jetzt Lust auf Bergsteigen oder andere Outdoor-Abenteuer bekommen hast, dann schreib uns eine E-Mail an contact@challenge8.com oder ruf uns einfach an und wir helfen dir gerne weiter.

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